Donnerstag, 27. Juni 2013

Der geflickte Quilt

Heute morgen war ich wieder ganz in meinem Element: Ich habe was gesucht. Und zwar eine mit einer Sonnenblume bestickte Filzplatte, die ich  nun weiterverarbeiten wollte. Als ich die Platte das letzte Mal gesehen habe, habe ich noch darüber nachgedacht, ob ich sie da wohl wiederfinden würde. Ich konnte ich auch noch daran erinnern, dass sie irgendwie links lag... Ich habe wirklich überall gesucht, alle Schubladen der Rollconatiner, die große Vlieskiste, das Stoffregal, das Trikotregal und die Schubkästen der Schrankwand durchsucht - erfolglos.

Naja, nicht so wirklich erfolglos, denn in einem Schubkasten der Schrankwand habe ich unseren Familienquilt "gefunden", den ich im Juni 2011 dann fertig gestellt habe. Der Quilt hing immer hinter unserem Fernseher, nachdem wir aber im März 2012 die Schrankwand gekauft haben, war dafür kein Platz mehr und ich habe ihn im Schrank verstaut. Da blieb er dann auch, denn schließlich haben wir ja im Mai 2012 Zuwachs bekommen. Und der Quilt war nur für uns vier. Zu dem Zeitpunkt, als ich den Quilt genäht habe, war unsere Familie ja auch fertig, Katharina war weder ein Gedanke, noch in Planung - ok, das hat sich dann drei Monate später geändert... ;-)

Ich hatte schon immer mal wieder darüber nachgedacht, was mit dem Quilt werden soll und heute habe ich dann einfach das Binding und das Quilting im unteren Bereich auf- und den unteren hellen Streifen abgetrennt.

Ich war wieder faul und habe wirklich nur das Nötigste abgetrennt. Dann habe ich in meinen Kisten gesucht und in der Kiste mit den hellen Stoffen habe ich sogar den Rest vom schon gebügelten Binding gefunden. Das ist irgendwie lustig gewesen, denn die Reste packe ich sonst immer in die "Erika-Reste-Kiste"... Nur dieses nicht, ob mein Innerstes damals schon wusste, dass ich das Binding noch einmal brauchen würde?

Ich hatte damals ja für jeden aus unserer Familie einen Hobbyblock gearbeitet. Für Katharina fiel mir da beim besten Willen aber nichts ein. Kurzzeitig hatte ich überlegt, einen Nuckel zu applizieren, die Idee habe ich aber ganz schnell wieder verworfen, denn der Quilt soll uns ja ewig begleiten und irgendwann mag sie für sich vielleicht keinen Nuckel mehr als Motiv. Daran, dass Katharina für ihr Leben gern Schubladen ausräumt, habe ich in den Moment nicht gedacht, ich hätte auch gar nicht gewusst, wie ich das hätte darstellen sollen... ;-)

Dann fiel mir ein, dass ich mir im Mai bei Planet Applique so eine niedliche Stickdatei mit einem Marienkäfer gekauft habe. Die habe ich dann für Katharina genommen und weil ich, seitdem sie da ist, ganz viele handgefärbte Stoffe verarbeitet habe, habe ich für die Flügel des Marienkäfers handgefärbten rosa Baumwollsatin genommen.

Ihre Hand abzuzeichnen war wirklich lustig, dabei hat Johannes prima mitgeholfen. Da ich auf die rauhe Seite vom Vliesofix zeichnen musste, hatte Katharina was zum befühlen, was es nicht unbedingt leichter machte, ihre Hand abzuzeichen. Aber schlussendlich ist es uns geglückt:
Es ist schon irgendwie niedlich, das kleine Händchen auf dem großen Block zu sehen. Steffens Hand füllt den Block fast komplett aus und bei Katharina hätte noch sonst was mit auf den Block gepasst. Für die Zwischenstreifen und die kleinen Blöcke habe ich auch noch passenden Stoff gefunden und dann alles zusammengenäht. Als ich die neue Reihe aber an den Quilt nähen wollte, fehlte ein guter Zentimeter. Also habe ich alles wieder aufgetrennt und dann mal die Nahtzugabe gemessen: Ich hatte den Quilt seinerzeit in Inch genäht!!!

Nachdem ich dann alles mit dem Inchfuß erneut zusammengenäht hatte, passte das Neue auch an das Alte. Für die Rückseite hatte ich seinerzeit hellblauen Rosalie genommen, für das untere Stück habe ich weißen Rosalie genommen. Für mich bedeutet das, dass wir vier damals, als ich den Quilt genäht habe, schon komplett waren, aber als Katharina hinzukam, haben wir festgestellt, dass noch etwas gefehlt hat und wir jetzt erst so richtig vollständig sind. Die Familie war eigentlich fertig, eine Einheit, aber wir haben unsere Einheit für jemanden Neues geöffnet und gehören nun alle ganz fest zusammen. :-)

Die Rückseite habe ich, wie ich gerade geschrieben habe, angestückelt, ebenso das Vlies und dann habe ich einfach das Binding gestückelt und wieder angenäht. Man kann einen Quilt auch flicken, ohne ihn komplett auseinander zu nehmen. ;-) Na, eben so richtig Viola-Like.

Wenn ich jetzt vom Rechner hochschaue, fällt mein Blick genau auf den Quilt und ich freue mich unheimlich, dass der nun wieder hängt!

Katharina hat mich darauf gebracht, dass ich mal die Hände der Jungs mit den Abdrücken vergleichen soll. Das haben wir heute Abend noch gemacht, beide sind ein ordentliches Stück gewachsen:

 Johannes' Hand

 Jonathans Hand
 
Ach ja und die bestickte Filzplatte habe ich dann auch noch wiedergefunden. Die lag in meinem Kleiderschrank ganz unten auf einem Stapel Weißwäsche. Da wusste ich irgendwann nicht, wo ich den Stapel unterbringen sollte und habe ihn, damit er mit aus dem Blickfeld verschwindet, unten in meinen Kleiderschrank gelegt. Der Schrank steht übrigens links im Schlafzimmer, so ein bisschen konnte ich mich also doch noch erinnern. ;-) Aus der Filzplatte habe ich heute morgen die kleine Karte genäht, schließlich habe ich beim Suchen das Postkartenvlies wiedergefunden - und die Chance muss ich doch nutzen! Oder?

Kommentare:

Bea hat gesagt…

Was für ein schöner Quilt und eine tolle Geschichte. Super Idee, einen Familienquilt so zu gestalten.
:-)
Vielleicht schau ich mir das ab! Ich muss nur irgendwo mein Zeitkonto auffüllen lassen.....so viele tolle Ideen und so viele schöne Geschichten...
Ich mag das sehr.
LG Bea

Erika hat gesagt…

Wunderbar wie du den Familienquilt erweitert hast, es ist auf dem Foto gar nicht zu sehen,dass der untere Teil erst jetzt dazu gekommen ist.
Und die Geschichte mit der verlegten Sonnenblume kommt mir in abgewandelter Art sehr bekannt vor.
Liebe Grüße Erika.

Sabine's Harz Quilt hat gesagt…

Hallo Viola,
an diesen Wandbehang kann ich mich noch erinnern. Ist das nicht komisch??? Da denkt man etwas ist fertig und auf einmal ändert sich alles noch einmal. LG, Sabine

Petruschka hat gesagt…

Das mit dem Komplettsein kenne ich nur zu gut. Die Erweiterung des Quiltes war nur konsequent. Ich finde, du hast das ehr gut hinbekommen und finde die kleine Hand sehr anrührend. Und daß den Quilt jetzt sogar in Sichtweite hast, finde ich wunderbar.

LG, Petruschka