Zuversicht ist ein weibliches Substantiv und bedeutet laut Google "festes Vertrauen (auf etwas zu erwartendes Gutes)". Ja, ich glaube, damit hat google wohl recht, ich merke auch, wie ich so langsam wieder Zuversicht bekomme. Festes Vertrauen darauf (manchmal wackelt es noch ein wenig), dass sich alles zum Guten wendet und dass ich Ende des Jahres lächelnd auf diese verrückte Zeit zurückblicke und sagen kann "yeah, wieder eine Hürde gemeistert".
Steffen lag fünf Wochen im Krankenhaus, seit zwei Wochen ist er nun wieder zu Hause und hat vor fünf Tagen die Mitteilung erhalten, dass der Krebs vollständig weg ist und er als geheilt gilt. Während ich diese Zeiten schreibe, träne ich gerade wieder (diese Wortschöpfung hat Katharina erfunden und ich finde es viel schöner, als "ich weine", es hat sowas... ...Weiches, Romantisches). Die Zeit, die hinter uns lag, war keine einfache Zeit, zum Glück hatte ich aber meine Kinder, besonders die beiden zu Hause, die mir ganz viel geholfen und mich unterstützt haben, wo sie nur konnten.
Ich habe heute gerade Fotos vom Handy runtergeladen, was ich lange nicht mehr gemacht hatte, und habe mir dabei noch einmal die Fotos der vergangenen Wochen angesehen, es kommt mir schon alles wieder so unwirklich und so ewig lange her vor, dabei bestimmte diese Situation vor noch nicht einmal drei Wochen unseren Alltag immens. Aber das ist das Gute daran, dass Schlechtes so schnell in den Hintergrund tritt und dann ganz schnell immer mehr verblasst. So geht es mir zumindest.
Oh, wenn ich daran denke, wie ich mich zerteilt habe und wie ich versucht habe, alles irgendwie hinzukriegen, wie sehr ich mich danach gesehnt habe, mal in den Arm genommen zu werden (nicht von meinen Kindern, die haben das getan) und zu hören, "hey, alles wird gut, ich helfe dir". Wie sehr war ich auf mich allein gestellt, wie traurig war ich, wie sehr habe ich versucht, meinen Alltag zu meistern... Wie sehr hat mich Vieles enttäuscht, wie sehr habe ich mich aber auch über Dinge, Gesten, Worte, E-Mails, leere Wäschekörbe, was auch immer gefreut, womit ich nicht gerechnet hatte.
Viel Unterstützung hatte ich auch auf Arbeit von drei meiner Kolleginnen. Sie hatten immer ein offenes Ohr für mich, haben mich in dieser scheiß Zeit (die ja schon seit Mitte März geht), so genommen, wie ich zu der Zeit war, haben mir die Augen geöffnet, mich immer wieder auf den richtigen Weg geschickt, haben mir zugehört, haben mich auch mal in den Arm genommen, haben mir gesagt, es wird wieder, waren einfach - neben der Arbeit und auch im Feierabend - für mich da.
Irgendwann war es dann für mich an der Zeit, einfach mal Danke zu sagen. In Wernigerode gibt es ein Geschäft
Herzenssachen. Dort werden Dinge verkauft, die Menschen mit Behinderungen herstellen, in den Läden können sie auch tagsüber kreative Dinge herstellen. Ich mag diesen Laden sehr und habe mir dort schon einige getöpferte Dinge gekauft. Ein Engel ziert schon seit einigen Jahren unseren Weihnachtsbaum und auch auf meinem Schreibtisch steht ein Engel, den ich dort gekauft habe. Immer, wenn mein Blick auf meinen herrlich perfekten unperfekten Engel fällt, muss ich schmunzeln und die Zuversicht kommt wieder.
Ich habe immer mal wieder im dem Laden geschaut und irgendwann hatte ich dann drei Engel zusammen. Zu Hause habe ich dann noch Karten gemacht, auch da habe ich mich für Engel entschieden, sind sie es doch.
Wie das so ist, wenn sowieso schon wenig Zeit ist, ging das ein oder andere schief, zuerst hatte ich die kleinere Datei genommen, dann das falsche Garn, dann hatte ich einen Block gestickt, den ich gar nicht wollte, dann hatte ich vergessen, nach der einen Karte, die Maschine wieder auf den Anfang zu bringen... Aaahhh. Ich wollte schon aufgeben, aber ich habe mich durchgebissen und dann waren meine drei Engelskarten fertig.
Am nächsten Morgen bin ich dann ganz pünktlich auf Arbeit gefahren und habe meine Engel auf den Schreibtischen meiner drei Kolleginnen verteilt. Jede hat den Engel bekommen, der - meiner Meinung nach - zu ihr passt.
Meine Kollegin, mit der ich das Büro teile, hat ihren Engel gleich entdeckt, nachdem sie gekommen ist, eine zweite hat ihren ein wenig später entdeckt, die dritte erst, nachdem wir unseren Kaffee getrunken hatte. Alle drei haben sich sehr darüber gefreut und haben ihren Engel auf dem Schreibtisch stehen, auch die Karten haben sie alle auf dem Schreibtisch stehengelassen. Das freut mich sehr, konnte ich doch damit einmal Danke für die Unterstützung sagen, die mir sehr gut tat und tut.