Sonntag, 15. Oktober 2023

Kultur muss sein

Irgendwann vor ein paar Tagen hatte ich das dringende Bedürfnis, mal wieder was Schönes zu machen, zu erleben. Irgendwie gibt es bei uns in letzter Zeit immer nur Alltag und ich finde, die Phasen er Erholung werden immer weniger. Also haben wir das Wochenende, an dem Katharina nicht da war, einfach mal für uns genutzt. 

Freitag Abend waren Steffen und ich in Wernigerode essen, wir hatten von unseren großen Kind und Schwiegerkind einen Gutschein für ein Restaurant bekommen und so haben wir entschieden, wir gehen Freitag essen. Mal nur wir beide, ohne irgendwen anders. War das komisch? Nein, komisch oder ungewohnt nicht, aber es war etwas, was wir so schon ewig nicht mehr hatten. Irgendwie ist ja bei uns immer Trubel... Ich mag dieses Simmengewirr, von überall her dringen Wortfetzen heran, es ist ein Gemurmel, da könnte ich am liebsten ewig sitzen und mich berieseln lassen, viel erzählen muss ich da gar nicht... 

Wir hatte uns zunächst eine Vorspeisenplatte geteilt, die war unheimlich lecker und auf jeder Seite des Parmesans in der Mitte lag das Gleiche, so dass jeder von uns zu seinem Recht kam. Ich hatte mich dann für einen Auberginenauflauf entschieden und ich weiß, dass ich den zu Hause auch mal machen werde. Johannes meinte, als wir davon erzählt haben, dass ich den machen kann, wenn er nicht da ist, er ist sowas nicht! Und damit es so richtig schön wird, habe ich mir zum Schluss noch ein Trüffeleis bestellt. Auch das war so richtig lecker.

Der Freitag Abend war richtig schön und wir waren beide so... ...erfüllt davon. 

Für Sonnabend hatten wir uns einen Ausflug überlegt, zuerst hatte ich überlegt, nach Magdeburg zu fahren, aber dort waren wir schon so oft und irgendwann kam ich auf Hildesheim. Hildesheim hat mit dem Dom St. Marien und der Michaeliskirche zwei Welterbestätten und soll auch einen sehr schönen Marktplatz haben. Und so haben wir uns dann für Hildesheim entschieden, allzu weit weg von uns ist es auch nicht. So haben wir Sonnabend erst in aller Ruhe gefrühstückt und sind dann kurz vor Mittag losgefahren.

Unser erster Weg führte uns zum Dom. Wir dachten zunächst, der Dom sei eventuell geschlossen, nichts deutete darauf hin, dass er offen sein könnte: Keine Menschen, keine Hinweise, nichts. Er stand einfach da. 

Er war zum Glück offen, genau wie die Michaeliskirche, an der sich uns ein ähnliches Bild bot. Wie überall in Hildesheim, lediglich in der Fußgängerzone, wo die Geschäfte waren, war Trubel, der Rest war wie leergefegt. Seltsam. Dabei gibt es dort so viel Potential.

Der Dom war sehr schön, eine romanische Kirche, die ja doch relativ schlicht sind, aber von der Bauweise her unheimlich beeindruckend.

Am westlichen Ende des Doms befindet sich die Bernwardtür. Die größe, figürlich geschmückte Bronzetür des Mittelalters. Im Dom gibt es rechts und links zwei Eingänge mit dem Hinweis auf die Tür. Man geht durch relativ schlichte Gänge, steht dann in einem leeren, hohen Raum und sieht dann diese Tür. Wow!

Wir haben uns natürlich auch die 1000-jährige Rose an der Apsis angesehen:

Ob die Rose wirklich tausend Jahre alt ist, kann man sicher bezweifeln. Allerdings seht sie schon sehr lange dort und war so etwas wie die Hoffnung der Hildesheimer nach der Zerstörung im zweiten Weltkrieg. Auch der Dom wurde stark beschädigt und die Rose ist mit verbrannt und unter den Trümmern verschüttet. Allerdings trieb sie schon kurze Zeit später wieder aus. Egal, ob nun tausendjährig oder nicht, die Geschichte ist einfach schön und gibt Hoffnung.

Vom Dom führte uns unser Weg zur Michaeliskirche. Sie erbeht sich auf einer kleinen Anhöhe und bietet ein majestätisches Bild:

Diese absolute Symmetrie kann man ein wenig erahnen. Auch hier waren nur sehr wenige Besucher, was eigentlich sehr schade ist, denn im Innern erwartet den Besucher eine bemalte Holzdecke, die einfach nur wow ist:

Auch diese Kirche ist wieder recht schlicht in der Ausstattung, aber beeindruckend durch die Bauweise.

Auch diese Kirche wurde in zweiten Weltkrieg stark beschädigt, aber wieder aufgebaut.

Von der Kirche sind wir dann zum Zentrum gegangen, unterwegs haben wir die St. Andreas-Kirche gesehen, die einlud, dass der Turm zur Besichtigung geöffnet sei. 364 Stufen bis zu einer tollen Aussicht über Hildesheim. Verlockend, aber auch anstrengend. Wir haben uns an den Aufstieg gewagt, Steffen ist allerdings schon fast gleich wieder umgekehrt. Also bin ich allein den Turm hinaufgestiegen. Der Aufstieg war anstrengend und mir haben ganz schön die Beine gezittert, aber ich habe es bis ganz nach oben geschafft. Und ja, die Aussicht war grandios, wir hatten aber auch unheimlich Glück mit dem Wetter.

Nachdem ich wieder unten war, hat mir Steffen gesagt, dass die Kirche auch geöffnet ist. Diese haben wir uns auch angesehen. Die Kirche ist gotisch mit romanischen Teilen und wurde im zweiten Weltkrieg fast komplett zerstört. Mit Ausnahme des Doms war keine andere Kirche in Hildesheim so stark zerstört, wie die St. Andreaskirche. Auch sie wurde anschließend originalgetreu wieder aufgebaut.

Besonders fand ich die Fenster hinter dem Altar, diese waren mit Blättern gestaltet, in der Mitte waren die Blätter rot, daneben blau und ganz außen waren sie grün. So etwas hatte ich bisher noch nicht gesehen.

Weiter sind wir dann zum Marktplatz spaziert und dann haben wir auch Menschen gesehen: Nämlich in der Fußgängerzone, wo die Einkaufsstraße war. Mmmh... Vielleicht ist mir das so extrem aufgefallen, weil shoppen nun so gar nicht meins ist? Ich weiß es nicht.

Der Marktplatz wurde ebenfalls fast komplett zerstört und nach dem Krieg zunächst funktional wieder aufgebaut. Irgendwann entschied man sich dann zur Rekonstruktion der alten Gebäude. Ein Haus wurde wohl vollständig abgerissen und an dieser Stelle dann das Knochenhaueramtshaus errichtet. 

Besonders beeindruckend fand ich das Wedekindhaus, dieses - so finde ich - ist am beeindruckendsten und zieht am ehesten in den Bann.

Es war ein sehr schöner Ausflug nach Hildesheim und auch der einsetzende Regen zum Schluss hat uns nicht wirklich gestört. Ein klein wenig schade ist, dass Hildesheim so wenig aus dem Vorhandenen macht, schade, dass die meisten Menschen die tollen Gebäude und Welterbestätten nicht so wirklich interessiert haben. 

Es war ein schöner Tag, so etwas sollten wir mal wieder viel öfter machen, es gibt Kraft für den Alltag und ich habe so viele schöne Erinnerungen in mir, das ist einfach schön. 😍💕

Freitag, 13. Oktober 2023

Ein bisschen aus der Zeit gefallen

Ich weiß gar nicht so richtig, wie ich den Einstieg in diesen Beitrag finden soll: Mmmh. Wir sind ja oft zum Fußball unterwegs und da ich doch immer so einiges einstecken muss, habe ich meist eine Handtasche dabei. Blöd ist das dann, wenn in der Handtasche noch ein Schokoosterei schlummert und das, wegen des warmen Wetters, etwas weicher wird, ich aber gar nicht an das Schokoosterei denke und mich an ein Geländer und dabei an meine Tasche lehne... Die Schokolade war überall gut verteilt und erst zwei Tage später kam ich aus meinem Traum, was das war... Na gut, das war dumm gelaufen, wahrscheinlich kam mir deswegen die Idee, das muss ich irgendwie ändern.

Vielleicht war aber auch auschlaggebend, dass ich immer Sachen von Streffen mit einstecken muss, da er Diabetiker ist, meist seine Spritze und Messgerät und manchmal auch noch seine kleine Utensilientasche. Je mehr ich einstecken muss, umso schwerer wird meine Tasche dann. Als wir im Mai auf dem Depeche Mode-Konzert waren, hatte ich mir von Jonathan eine Bauchtasche geliehen, da keine größeren Taschen mit auf das Gelände gebracht werden durften (ok, manche Taschen, die da mit hingebracht wurden, waren größer als meine Handtasche und durften mit reingenommen werden, aber das ist nun wieder ein anderes Thema).

Wahrscheinlich war es eine Kombination aus allem, die mich dazu bewogen hat, mir eine Bauchtasche zu nähen. So ein bisschen oldschool sind die ja, für mich sind sie doch eher ein Relikt aus den 80ern. Aber hey, warum nicht. Bei Smaragdtaschen gibt es dafür ein schönes Nähset und da ich nicht der Taschennäher bin, ist das immer ideal für mich. Da ist alles dabei und ich muss nicht erst mühsam diverse onlineshops abklappern, ob ich passendes Zubehör finde. Also habe ich mir ein Näheset bestellt und mir eine Gürteltasche genäht.

Da es, als ich die Tasche bestellt hatte, noch schön warm war, habe ich mich für einen sommerlichen Stoff entschieden.
Die Tasche ist wirklich geräumig, Handy, Schlüssel, Powerbank und Portemonnaie haben darin Platz.
Und ich finde, so schlecht sieht es gar nicht aus, wenn ich die Tasche trage:

Katharina fand meine Tasche total cool und wollte auch gern eine haben. Also hat sie sich ein Nähset ausgesucht und ich habe ihr dann die Tasche genäht. Sie ist bei ihr auch regelmäßig im Einsatz.

Ich muss sagen, nach diesen kleinen Täschchen kann man echt süchtig werden, das macht richtig viel Spaß und so habe ich mir irgendwann noch eine dunklere Tasche genäht. 

Und zu guter Letzt habe ich gestern noch eine Tasche für Katharinas Feundin zum Geburtstag genäht. Ich hoffe natürlich, dass sie ihr gefällt und sie Freude daran hat.

Und wenn ich ganz ehrlich bin, überlege ich, ob ich nicht vielleicht doch noch eine solche Tasche gebrauchen könnte, denn das macht echt Spaß, die kleinen Teile zu nähen. Aber vorher muss ich mir erst einmal ein neues Portemonnaie nähen, mein pinkes ist nun doch schon ganz schön abgerapt... Nun ja, ich habe es ja schon seit April 2021, das habe ich mir damals zum Start in mein neues Berufsleben genäht.

Sonntag, 8. Oktober 2023

15x 60 cm

...ist das Format, in welchem die schwarz-weiß Quilts für die Ausstellung von Regina genäht werden sollen. Katharina hatte ihren Quilt schon lange fertig und mir kam vor zwei Tagen DIE Idee, die musste ich einfach umsetzen. Aber eigentlich wollte ich gar nicht von den schwarz-weiß Quilts schreiben, sondern von meiner Idee, die sich daraus entwickelt hat.

Ich habe bestimmt schon das ein oder andere Mal davon geschrieben, dass ich Lyonel Feininger sehr bewundere und seine Bilder, besonders die Gemälde, sehr mag. Nach einer Quiltausstellung in Thüringen sind wir mit Katharina mal nach Gelmeroda gefahrn und haben uns dort die Kirche angesehen. Diese hat Feininger oft gemalt. Ich finde, diese Kirche mit dem langen spitzen Turm eignet sich perfekt für das Maß von Regina. Und bestimmt ist es interessant, daraus eine Serie zu machen, schließlich hat auch Feininger ein Motiv oft mehrfach gezeichnet.

Ich musste zunächst aber mal ein Bild der Kirche finden, welches mir geeignet schien. Meine Wahl fiel dann auf dieses Bild von Feininger. Ausgestellt wird es im Metropolitan Museum of Art in New York. Ich habe das Bild auf den Turm und den Gebäudeteil davor reduziert und das Bild zunächst auf Papier gezeichnet.

Ich habe mein Bild dann noch ein wenig verfeinert und in Nähsektionen unterteilt.

Diese Vorlage habe ich mir dann kopiert und auf meinem Leuchtkasten dann seitenverkehrt gezeichnet. Ich habe es nicht gefunden, wie ich am Drucker einstellen kann, dass die Kopie seitenverkehrt gedruckt wirde - kann aber auch sein, dass es gar nicht geht. Ich hatte schon auf dünnen Papier gedruckt und so konnte ich das Motiv von der Rückseite her gut erkennen und dort nachzeichnen.

Ich habe mir überlegt, jeden Monat einen Quilt nach dieser Anleitung zu nähen, mit den Stoffen farblich passend zum jeweiligen Monat. Den Oktober habe ich in warmen Herbstfarben genäht, aber nicht ganz so knallig.

Ich habe mich für handgefärbte Stoffe von Martina Süßmuth-Militzer entschieden. Die Stoffe hatte ich lange Zeit im Abo und habe da eine schöne Sammlung zusammengetragen. Beim Nähen hatte ich überlegt, dass ich mich mal wieder für das Stoffabo anmelden könnte, allerdings habe ich vorhin auf Instagram gelesen, dass das Stoffabo zum Ende des Jahres eingestellt wird. Ach Mensch, da bin ich jetzt traurig und nun muss ich vielleicht doch zum selber färben übergehen?! Überlegt hatte ich daraüber ja schon ein paar Mal...

Ich werde meine Vorlage noch ein klein wenig überarbeiten, aber der Oktoberquilt bleibt nun so. Manches ist mir eben erst aufgefallen, als das Top genäht war. Ich werde nun die Farben noch ein wenig anpassen, dazu will ich mal wieder Aquarellstifte verwenden, das habe ich kürzlich gemacht und das hat gut geklappt.

Freitag, 6. Oktober 2023

Herbst

Habt vielen lieben Dank für eure Kommentare zu meinem letzten Beitrag, über die ich mich wieder sehr gefreut habe. Es freut mich zu sehen, dass mein Blog, auch wenn es hier immer ganz lange ruhig ist, bei euch doch nicht in Vergessenheit geraten ist. Oft denke ich, dass ich über etwas im Blog schreiben möchte, dann verschiebe ich es auf abends, dann auf den nächsten Tag, dann auf den übernächsten und dann... ach, war ja auch nicht so wichtig. 😔Wird das mal wieder besser???

Kürzlich hatte ich auf Instagram eine niedliche Herbstbastelei gesehen, schnell, einfach, aber niedlich. Das wollte ich gern mit Katharina nachbasteln (noch kann ich sie für solche Sachen begeistern, aber wie lange noch?). Um die kleinen Männchen zu basteln, brauchten wir die "Hütchen" von Eicheln. Also haben wir am Sonntag einen Herbstspaziergang gemacht, das Wetter war ja fast schon sommerlich.

Früher war auf der freien Fläche alles dichter Wald. Es ist aber zu sehen, dass die Natur sich erholt und die abgeholzten Flächen wieder bewachsen. Den Wald, den ich aber aus meiner Kindheit kenne, wird es wohl allerdings nicht mehr geben.
Eicheln haben wir auch gefunden und Bucheckern. Aus den "Halterungen" der Bucheckern haben wir früher immer in der Herbstzeit Kerzenhalter gebastelt. Irgendwie wurden die im eine Kerze herum angeordnet, ganz genau weiß ich es aber nicht mehr...

Wieder zu Hause haben Katharina und ich gleich angefangen, die Papiere zu falten und zu schneiden. Die Kugeln für den Kopf sollten eigentlich mit Band aufgefädelt werden. Im Video wurde dann auch mit der Nadel durch das "Eichelhütchen" gestochen und das so auf dem Kugelkopf befestig. Das hat bei uns nicht geklappt, was sicher daran lag, dass die Eicheln wohl schon vom letzten Jahr waren. Egal, es gibt ja Heißkleber und so haben wir die Kugel und das Hütchen einfach festgeklebt.

Gut, unseren Männchen hängen dadurch ein wenig schief, aber auch das ist nicht so schlimm. Wir haben dann aus einigen ein Mobile gebastelt, welches nun im Wohnzimmer hängt.

Ein Männchen war noch über, das hat seinen Platz am Küchenfenster bekommen:

Auf jeden Fall hat es uns beiden ganz viel Spaß gemacht und wenn wir die Männchen hängen sehen, müssen wir immer schmunzeln...