Mittwoch, 8. April 2020

Einmal Peggy, immer Peggy

Ich muss ein wenig ausholen. Früher haben Steffen und ich eigentlich jeden Sonntag den Tatort geguckt. In letzter Zeit gucken wir eher selten, da die Filme uns nicht mehr wirklich gefallen und wenn der Film zum Beispiel damit beginnt, dass sich jemand eine Zahbürste in's Ohr stößt, dann stößt mich das ab. Es gab aber einen Tatort, der mich so sehr begeistert hat, dass er mir noch immer in Erinnerung ist: Borowski und das Glück der anderen. Da war schon der Anfang toll: Eine Frau geht mit dem Rasenmäher im Wohnzimmer über eine langflorigen Teppich... Die Geschichte dahinter war, dass die Hauptdarstellerin (Peggy) durch ihr Küchenfenster gesehen hat, wie ihre Nachbarn sich gefreut haben. Das hieß für sie, dass die Nachbarn die Lottogewinner sind, die sich bisher noch nicht gemeldet habe. Peggy beschließt, im Haus der Nachbarn nach dem Lottoschein zu suchen, wir dabei vom Hauseigentümer überrascht, den sie dann tötet. Die Nachbarn waren nicht die Lottogewinner, sie hatten sich nur über eine Arbeitserlaubnis für die USA gefreut, Peggys Mann hat ein Verhältnis mit Peggys Arbeitskollegin und verlässt Peggy für sie. Den Lottschein hat letztendlich die alte Dame gehabt, die immer Flaschen gesammelt hat.

Dieser Film hat mich unheimlich beeindruckt und meine Kollegin, die ihn auch gesehen hat, auch. Bei den vielen Programmen, die es inzwischen gibt, ist es ja eher selten, dass zwei - ohne Absprache - das gleiche Programm gucken. Am nächsten Morgen haben wir uns über den Film ausgetauscht und wenn bei uns was schief geht, heißt es seitdem immer "Einmal Peggy, immer Peggy".

Und manchmal habe ich das Gefühl, es ist auch wirklich so. :-( So bekam ich heute morgen eine E-Mail, dass sich ein Abo verlängert hat. Huch, das war ein Abo? Ich war der Meinung, wir hatten seinerzeit einen Jahresvertrag abgeschlossen, welcher nach den 12 Monaten automatisch endet. Tut er aber nicht, das Abo hat sich um weitere 12 Monate verlängert und der Betrag von 299,40 EUR wird über unser Paypalkonto eingezogen. Ihr könnt euch vorstellen, dass ich heute morgen um halb sechs noch wacher war als sonst. Ich sag es ja, einmal Peggy, immer Peggy.

Heinz Rudolf Kunze wünscht sich "Längere Tage", ich wünsche mir einfach mehr Zeit, denn wenn ich Zeit hätte, wäre das wohl nicht passiert. Dann hätte ich Zeit gehabt, mich mit den Bestimmungen auseinander zu setzen und dann hätte ich es gewusst, dass der Vertrag nicht nach 12 Monate endet. Dann hätte ich Zeit gehabt, zu kündigen. Hätten wir Zeit gehabt, hätten wir auch einen vernünftigen Sonnenschirmständer kaufen können, einen der stabil ist und wo wir nicht ständig Angst haben müssen, dass der Wind ihn umpustet. Wäre die Zeit eine andere gewesen, hätten wir in aller Ruhe gucken können, welcher Ständer passend ist.

Ich möchte mal nicht alles eben schnell in der Mittagspause oder fix nach der Arbeit erledigen müssen. Ich möchte mal nicht immer dreiviertel fünf aufstehen und dann in Hektik den Morgenbeginn von drei Personen organisieren müssen, um dann mit Sodbrennen zur Arbeit zu hetzen. Ich möchte nicht abends nach dem Abendessen schon kurz vor dem Einschlafen sein... Ich wünsche mir einfach nur Zeit!!!

Und als ob das nicht genug wäre, habe ich derzeit gerade wieder so dicke Fingerknöchel, dass ich heute morgen Mühe hatte, meinen Ehering abzubekommen:
Den Ring wieder aufzusetzen, wird wohl erst einmal nicht mehr möglich sein. Ich bin gerade ganz doll traurig darüber. Es ist zwar nur ein Ring, aber...
Früher (das hört sich jetzt an) habe ich immer Schmuck getragen, ich habe meine Ohrringe oft gewechselt, damit sie zur Kleidung passen. Ebenso die Brillen bzw. irgendwann dann die Brillenbügel. Heute bin ich froh, wenn meine Brille nicht so dreckig ist, dass ich noch durchsehen kann. Wo ist nur meine Zeit geblieben, das war doch mal anders. Jetzt fällt mir auch wieder ein, worüber ich kürzlich mit meiner Kollegin auf Arbeit so herzhaft gelacht habe. Ich hatte festgestellt, das meine Brille total dreckig war und daraufhin sagte Melli, dass ihr das auch schon aufgefallen wäre, denn den einen Fleck habe ich schon seit drei, vier Tagen auf der Brille...

Und ich kann noch einen Nachtrag zu meinem Jammerbeitrag leisten: Gerade eben habe ich das hier auf dem Fußboden gefunden:
Das ist der zerbrochene Verschluss von meiner Fototasche. So sieht der Verschluss nun aus:
Verschließen kann ich damit nichts mehr.

Und unter unser Waschmaschine liegt schon seit Ewigkeiten ein Handtuch, weil die Waschmaschine leider ausläuft. Immer, wenn ich wasche, läuft Wasser aus der Maschine raus, ich sehe ungefähr, wo das Wasser herkommt, aber die genaue Stelle konnte ich bisher noch nicht ausmachen. Und das war so eine schöne Waschmaschine: nicht so tief, so dass ich auch noch die Badezimmertür zumachen kann (das ist ja in einer Neubauwohnung so eine Sache mit dem Bad und dem Platz), sie hat aber auch eine wirklich große Trommel und schleudert mit vielen Umdrehungen. Ich habe schon ganz oft nach einer entpsrechenden Waschmaschine geguckt, aber entweder sind sie zu tief oder schleudern nur mit max. 1000 Umdrehungen oder haben nur ein Fassungsvermögen von 4 oder 5 Kilogramm...

9 Kommentare:

  1. Oh, Dir geht es auch wie mir, da sind wir dann schon zu zweit.

    Ich werde dieses Jahr 54 Jahre alt und seitdem ich so arbeite wie ich arbeite, frage ich mich, wo mein Leben abgeblieben ist? Ich pendle zwischen Arbeit und zuhause, zwischen Imo-Runde und Haushalt, zwischen nachts wach und abends früh müde sein. Ich liebe Imo und bin froh um die Spaziergänge und seine Gesellschaft. Ich liebe meine Kinder, sie sind mein größtes Glück. Jedoch gibt es ja auch noch mich... Mensch, Frau, Erwachsene, Interessierte. Es bleibt für nichts mehr Zeit. Und wenn mal Zeit ist, bin ich wie gelähmt. Ich könnte so viel tun und mache es nicht, weil die Zeit dafür so begrenzt ist, daß ich das Ende der Zeit bereits am Anfang schon sehe. Und das wird sich alles nicht mehr ändern. Arbeiten bis zur Rente und dann bin ich 65 oder 67 und dann habe ich vielleicht so viel Zeit, aber dann bin ich vielleicht einsam, weil alleine und ohne Hund und Kinder, denn sie leben dann ihr eigenes Leben.
    Keine Zeit... obwohl jetzt alle Zeit haben.

    Nana

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  2. Och Mensch!
    Das ist ja blöde (mit deinem Finger)
    Und ja, ich kenne das Problem mit der Zeit auch :-(
    Früher hab ich auch viel mehr auch auf mich geachtet... heute.. hmm naja
    Wobei ich auch in der social Distance Zeit echt eisern bin.. Ich ziehe mich richtig an! Nix Jogginghose den ganzen Tag! Ne das geht nicht!
    Aber ich überlege zB schon seit Längerem ob ich mal einen Kurs bei einer richtigen Schneiderin machen soll.. ich würde gerne für mich Klamotten nähen können.. bei meiner Figur ist Klamottenkaufen für mich immer DER Horror...und es tut mir nicht gut.
    Naja.. mal sehen ob und wann ich das denn dann auch mal mache ...
    Tststs
    Susanne
    PS: Dein Päckchen geht heute noch auf die Reise :-)

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  3. Ach, du liebe Peggy! Zu dem ganzen Elend kann ich nur einen Beitrag leisten: vegetarisch essen hilft den Fingern vielleicht auf die Sprünge. Da war bei mir ein deutlicher Unterschied zu verspüren.
    Sei herzlich gegrüßt!
    Elke

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  4. Liebe Viola, nicht verzagen. Es kommen auch wieder bessere Zeiten, so sag ich mir das jedenfalls. Schau doch mal, was du sonst immer so an kreativen Dingen schaffst, da staune ich immer sehr darüber. Freue dich an kleinen Dingen. Es wird schon. Ich wünsche euch ein wunderbares Osterfest trotz aller Widrigkeiten der jetzigen Zeit. Beste Grüße von Rela

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  5. Liebe Viola,
    das gibt es, Zeiten in denen alles irgendwie schiefläuft.
    Den Borowski Krimi kenne ich noch nicht. Mir gefallen die neueren Tatortfolgen auch nicht immer.
    Liebe Grüße
    Renate

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  6. Liebe Viola, du hast das sehr eindrucksvoll beschrieben und so kann ich es auch gut nachfühlen. Ich glaube, dass du durch die Selbstreflektion viel kompensieren kannst und trotzdem immer guten Mutes bleibst - in der Gewissheit dass auch wieder bessere Zeiten kommen. Manchmal kommen einfach viel zu viele Dinge, die extrem nerven, gleichzeitig. Kopf hoch, wir denken an dich.
    LG eSTe

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  7. Liebe Viola, Du Arme, ich habe zwar die Peggy noch nicht gesehen, aber ich weiß genau, was Du da gerade erlebst, ist nur ein blöder Tag, kein blödes Leben... Setz Dich auf Deinem Balkon in die Sonne, spiel mit Katharina, lass Dich von Deinen Männern verwöhnen oder stichel ein bisschen vor Dich hin, das beruhigt und ganz nebenbei wird wieder was ganz Schönes fertig...
    Ich drück Dich aus der Ferne ganz herzlich, liebe Grüße
    Katrin

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  8. Viola, es gibt ein englisches Sprichwort: When it rains, it pours. (Wenns regnet, dann schuettets)
    Da sind ja viele aergerliche Dinge zusammengekommen. Tief Luft holen und sagen es gibt Schlimmeres. Ausserdem kommen ja jetzt die Osterfeiertage und da hoffe ich du hast viel Zeit zum Brille putzen, sticheln, Balkon geniesen usw. Man denkt ja oft, man muss an den Feiertagen von morgens bis Abends in der Kueche roedeln und alle bedienen und ist dann mehr erholungsbeduerftig als vorher. So ging es mir immer. Hab ich abgestellt. Einfach heisst das Motto.
    Den Borowski hatte ich gesehen und den mit der Zahnbuerste auch. Da musste ich mich wegdrehn, konnte den eigentichen "Stoss" nicht angucken. Mir wurde ganz flau im Magen. Ueberhaupt sind die Tatorte ziemlich bloed geworden. Die einzigen die ich noch regelmaessig anschaue sind die aus Muenster, Koeln und Muenchen. Dann war da noch einer aus Bremen wo es um die Pflege von Alten und Kranken zu Hause ging. Den hab ich schon 2-mal gesehen und der war richtig gut. Hat auch ein grosses soziales Problem angesprochen.
    Es gruesst dich Ursula

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  9. Ach liebe Viola, so ein Nörgelpost muss auch mal sein. Fühl dich mal gedrückt.
    Winkegrüße Larissa

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