Montag, 19. Februar 2024

Die Worte meiner Familie

Ich weiß gerade nicht so recht, wo ich anfangen soll. In der letzten Woche sollten eigentlich schon die Ergebnisse der letzten Klausur da sein, allerdings hatte sich die Korrektur etwas verzögert und so kam die Post erst heute. Wir haben vom Kurs eine Whatsapp-Gruppe und derjenige, der als erster den Brief hat, postet das Gesamtergebnis. Und so wusste ich heute schon kurz nach dem Frühstück, dass ich  heute Post bekomme. Ich bin immer wieder erstaunt, wie pünktlich manche Büros ihre Post bekommen. Ich muss meistens bis zum späten Nachmittag warten. Montags ist das zum Glück etwas anders, da dort nicht so viel Post zugestellt wird, kommt die Post montags zeitiger. Irgendwann rief mich meine Kollegin an und fragte mich, ob ich dann nochmal zu ihr runterkommen könnte, sie wollte mir was zeigen. Ich habe erst noch meine Sachen fertig gemacht, war auf Toilette und bin dann zu ihr gegangen und dann gab sie mir den Brief - unsere einzige Post heute. 

Konnte ich den ersten Brief gar nicht aufmachen, so habe ich den letzten einfach aufgerissen. So unordentlich habe ich noch keinen Brief aufgemacht, aber das war mir egal, schließlich standen in der Notenübersicht zwei sechsen und zehn fünfen. Oh Gott, so schlecht, damit habe ich jetzt nicht gerechnet. Die Klausur war eigentlich einfach, wenn man es vom beruflichen her betrachtet. Das war vielleicht auch mein Fehler, denn ich habe eine der fünf vieren. 

Es ging aber eben nicht um das Berufliche im Bereich Erbrecht, sondern um die juristische Sicht auf den Sachverhalt und ich muss mir unbedingt angewöhnen, in den Prüfung den Sachverhalt nicht allgemein zu erörtern, sondern direkt am Fall. Aber es fällt mir eben schwer, in einer juristischen Klausur von "Otto" und "Erna" oder "Ulrich" und "Claudia" zu schreiben. Und ich muss eben auch Dinge mit aufschreiben, von denen ich denke, dass sie vielleicht unerheblich sind, auch dann, wenn der Klausurersteller schreibt, man solle sich kurzfassen. Ok, die vier wurmt mich schon (sehr). 

Meine Familie ist allerdings sehr aufbauend, das reicht von "Ey, vier ist bestanden und bestanden ist gut.", über "Das Gefühl kenne ich, wenn man lernt und eine schlechte Note schreibt." bis hin zu "Da fragt später kein Mensch danach.". Ja, sie haben ja auch recht, es fragt später niemand nach der Note, aber eine vier...?!

Wenn ich auf meine Liste gucke, springen mir die beiden letzten Noten extrem in's Auge. Ich war aber auch bei der Einsendearbeit und auch der Klausur extrem gehemmt, weil ich unheimlich viel Angst hatte, durchzufallen. Als wir die Klausur geschreiben haben, habe ich vorher schon geweint und die Nacht davon ganz schlecht geschlafen. Vielleicht ist unter diesem Hintergrund eine vier doch ganz gut?! Nun hoffe ich, dass ich die Prüfungen besser schreibe.

Unabhängig von meiner Note habe ich mir einen neuen Charm für mein Armband gekauft. Eine Weile war er schon bei mir. Ich habe ihn, wie viele andere auch, gebraucht gekauft. Und da habe ich die Erfahrung gemacht, dass es besser ist, zu kaufen und liegen zu lassen. Überlegt man zu lange, ist der Charm eventuell weg. Ja und so hing der Charm schon eine Weile an meinem Ideenquilt. Über vier Wochen hing der kleine Sternencharm dort und ich war tapfer, wirklich erst heute habe ich ihn abgenommen und an mein Armband geamcht.
Ich habe mich in einen Sternencharm verliebt, denn ich weiß, dass da oben ein Stern ist, der speziell über mich wacht, nur für mich leuchtet. Vielleicht sitzt meine Oma auf dem Stern, ja, das wird ganz sicher so sein. Naja und weil ich eben zum Ende des Studiums mehr Angst hatte, nicht zu bestehen, als in der gesamten Zeit vorher, so war eben ein Sternencharm passend. Mein Sternenhimmel sitzt neben meinem Tanzpaar und dem Apfelweibla aus Bamberg, in der Nähe des Kleeblatts von der letzten Einsendearbeit. 
Ich finde, da passt der Charm richtig gut hin. Und sicher, irgendwann werde ich mich über die Note nicht mehr grämen, und wenn doch, dann nur ein ganz kleines bisschen (hoffe ich). Und dann werde ich auf meine Leistung ganz bestimmt so stolz sein, wie auf diese Whatsapp-Nachricht, die ich gestern in  meiner B-Jugend-Gruppe bekommen haben:
Ihr glaubt ja gar nicht, WIE sehr ich mich über diese Worte gefreut habe und dabei mache ich doch nur meinen Ehrenamtsjob. Und das ab April wieder mit mehr Herzblut und Zeit. Aber ich habe mich so wahnsinnig darüber gefreut, ich bin gestern glatt in's Bett geschwebt. 😊

4 Kommentare:

  1. Liebe Viola,
    ich wünsche Dir sehr, dass Du die Nachricht der Trainingsgruppe im Gedächtnis behälst und die Note im Gesamtergebnis untergeht! Und ich stimme dem Familienmitglied zu, das gesagt hat: das interessiert später niemanden mehr!
    Sei umarmt!
    Elke

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  2. Liebe Viola, Recht hat sie, deine Familie. Du sollst zufrieden sein auf die Ergebnisse. Und stolz auf das, was du , gemeinsam mit ihnen, bisher geschafft hast. Jeder, der anders darüber denkt, soll das erst mal leisten. Und die Worte deiner Jungs peer WhattsApp sprechen das Gleiche. Liebe Grüße von Rela

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  3. Liebe Viola, du hast bestanden! Glückwunsch und meine Hochachtung. Du hast viel geleistet und darfst dich jetzt darüber freuen. Alles andere ist unwichtig!
    Liebe Grüße
    Renate

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  4. Liebe Viola,
    Glückwunsch zur bestandenen Klausur. Ich kann nachvollziehen, dass Du Dich "noch" über die Note ärgerst. Würde mir auch so gehen. Aber natürlich hat die Familie Recht. Du hast bestanden, und später fragt tatsächlich kein Mensch mehr danach.
    Aber wieso eigentlich eine vier. War sonst befriedigent nicht immer eine drei? Oder hat sich da grundlegend was geändert?
    Ich finde es jedenfalls toll was Du alles leistest, und für was Du Dir alles noch Zeit nimmst. Hut ab.
    Liebe Grüße Karin

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