Dienstag, 25. März 2025

Zeit - ein kostbares Gut

Habt vielen lieben Dank für eure Kommentare zu dem genähten Spatzjournal. Ich habe mich sehr darüber gefreut. Die KUSV#4 hat mir sehr viel Spaß gemacht, ich war das erste Mal dabei, und das Journal ist schon lange bei der Empfängerin angekommen und sie hat sich darüber sehr gefreut. Meine ehemalige Kollegin und ihre Tochter dachten erst gar nicht, dass es selbst genäht ist. ;-) Ein klein wenig habe ich bei den anderen schon mal geguckt, was sie so Schönes genäht haben, aber so richtig viel Zeit hatte ich nicht. Überhaupt, Zeit, das ist im Moment wieder ein "Problem" für mich: Für nichts ist richtig Zeit, alles kann ich nur halbherzig machen, ich muss mich immer zerteilen...

Am letzten Montag waren Steffen und ich zum Konzert in Magdeburg in der Getec-Arena. Ich hatte ihm zum Geburtstag Tickets für Alphaville geschenkt. Als wir im Februar die Diagnose bekamen, hätte ich das Konzert am liebsten gecancelt, Steffen meinte aber, wir warten erst einmal ab und entscheiden dann. Das war mal wieder eine gute Idee, denn es ging ihm ja gut (einzig mit dem Knie hatte er Probleme) und so waren wir am Montag in Magdeburg zum Konzert. Ich persönlich kannte nur drei Lieder von Alphaville, aber es war ein echt schöner Abend. Klar hört sich der Sänger nicht mehr an wie vor 30, 40 Jahren, aber das ist ja normal. Am besten fand ich den Keyboarder, der ging sowas von auf in seinem Job, das war richtig schön zu sehen. Toll war auch die Lichtshow. Da ich ja Montag arbeiten war und wir direkt nach der Arbeit nach Magdeburg gefahren sind, war der Tag wirklich anstrengend und ich war froh, als wir dann nachts zu Hause waren, aber es war richtig, richtig schön. 

Steffen war in der letzten Woche nun wieder im Krankenhaus, der zweite Zyklus hat begonnen. Die gesamte Woche war ein stetiges Auf und Ab, erst wurde mit der Chemo einen Tag später begonnen, da die Entzündungswerte zu hoch waren (es war zum Glück keine Lungenentzündung), dann hieß es am Freitag, dass ein Nierenwert nicht so richtig schön ist, wenn das so bliebe, müsste mit der Chemo pausiert werden. Zum Glück war der Wert Sonnabend dann aber doch wieder schön, so dass es planmäßig bis Sonntag weiterging. Seit gestern ist Steffen nun wieder zu Hause. 

Noch geht es ihm sehr gut, einzig die Haare sind ausgefallen. Mitte März hatten wir sie schon sehr kurz geschnitten, da da der Haarausfall schon anfing. Das war für mich ein schwerer Moment, auch wenn es ja nur Haare sind und die auch wieder wachsen. Aber das war nochmal so ein Moment, wo es eben ganz offensichtlich ist, dass Steffen Krebs hat. Als er nun im Krankenhaus war, wurde es immer mehr. Da die Haare aber nicht gleichmäßig ausgefallen sind, sondern stellenweise, sah es auch überhaupt nicht mehr schön aus und so haben wir dann gestern Abend, als ich von der Arbeit nach Hause kam, die Haare ganz abrasiert. Inzwischen habe ich mich auch daran gewöhnt und finde es gar nicht mal schlecht. 😍Ich hatte Steffen auch angeboten, aus Solidarität meine Haare auch mit abzuschneiden, aber das wollte er nicht. Jonathan hat es einfach gemacht, dass sein Papa nicht allein mit einer Glatze rumlaufen muss. Steffen war darüber  sehr gerührt.

Am Wochenende hatte ich für Steffen einen Hut genäht. Verwendet habe ich dafür den Stoff, den ich eigentlich für die Mütze gekauft hatte. Im Netz hatte ich gelesen, dass man einen Baumwollviskosestoff verwenden soll, da der wohl atmungsaktiv sein soll. Also habe ich mich auf die Suche nach solch einem Stoff gemacht. Die Mütze, die ich daraus genäht hatte, war allerdings untragbar, da viiiiiel zu eng. Ich habe dann auch einem normalen Jersey eine Mütze genäht, die passte besser. Da die Mütze aber doppellagig ist und dadurch recht warm, habe ich am Wochenende noch den Hut genäht. Genäht habe ich den nach dem Schnitt Bucket Hat von Pattydoo.

Ich überlege tatsächlich, ob ich mir nicht auch so einen Hut nähen sollte, ich finde den nämlich gar nicht schlecht und weiter finde ich, dass er mir auch gut steht. 😂Ein bisschen von dem schwarzen Stoff habe ich auch noch.

Mein kleiner Gelmerodaquilt hat in der Zwischenzeit weitere Punkte bekommen, noch sind es mehr gelbe als lila Punkte. In mein Spatzjournal schreibe ich immer mal was zu der jeweiligen Woche auf, ich habe gemerkt, dass das gut ist, denn viele Sachen geraten im Moment, weil einfach wieder zu viel in meinem Kopf drin ist, schnell wieder in Vergessenheit, sind aber doch irgendwie wichtig für mich. Auch mein Inneres ist ein stetiges Auf und Ab, mal bin ich wie gelähmt und leise Zweifel wollen sich in meinen Kopf schieben, dann wiederum ist da diese unbändige Zuversicht, die zum Glück überwiegt.

Das gelbe Herz habe ich wieder abgetrennt, ich hatte ja seinerzeit schon überlegt, ob das überhaupt stimmig ist. Mir hat es nicht gefallen, es war viel zu groß und so habe ich es dann kurzer Hand wieder abgetrennt. So sieht der Quilt einfach schöner aus. Ich habe noch ein viel kleineres Herz bestellt, vielleicht nähe ich das an, wenn alles geschafft ist.

Manchmal sind es auch die kleinen Momente, die mir Halt geben: Als wir zum Beispiel am vergangenen Wochenende bei unserer Freundin zum Geburtstag waren, habe ich eine ehemalige Kollegin meiner Mutter getroffen und mit ihr gesprochen und sie sagte dann zu mir "Ach Mädchen, ich weiß, wovon du sprichst.". Das tat so gut, ja, eigentlich bin ich doch ein Mädchen und brauche manchmal so einen Zuspruch. Oder an diesem Wochenende hatte ich unsere Nachbarin getroffen und mit ihr gesprochen und dann nahm sie mich in den Arm und drückte mich. Das fand ich so toll, das hat mein Herz berührt.

Als ich gestern von der Arbeit nach Hause kam, stand der Kranz, der sonst bei unserer Nachbarin auf dem Schuhschrank steht, bei uns. Ich hatte erst Katharina im Verdacht, dass sie den mitgenommen hat... Aber nein, unsere Nachbarin hat mir den geschenkt, sie häkelt immer wieder neue Sachen und verschenkt dann die anderen. Ich mag den Kranz sehr und freue mich immer über die Jahreszeitendeko, wenn ich die Treppe hochgehe und nun ist der Kranz meiner:

Zeit ist ein kostbares Gut und wenn ich halb fünf wach bin, obwohl mein Wecker eigentlich erst um dreiviertel sechs klingelt, kann ich die geschenkte Zeit gut nutzen, zum Beispiel, um mal wieder einen Blogbeitrag zu schreiben. Auch wenn das mein Hobby und nicht lebensnotwendig ist, hat mir das doch gerade so richtig gut getan und ich gehe heute mit einem Lächeln in den Arbeitstag. 

5 Kommentare:

  1. Liebe Viola,
    wunderbar, dass Du Dir diese Schreibzeit gegönnt hast, und vielleicht tut es Dir gut, Dir manches auch von der Seele zu schreiben!
    Der Hut ist toll geworden! Steht Dir auch sehr gut. Aber da könnte man sich doch direkt ein bisschen Farbe vorstellen?
    Herzliche Grüße an Steffen. Ich muss oft an ihn denken wenn ich Deine Beiträge lese, auch wenn Du gar nicht direkt über ihn geschrieben hast...
    LG
    Elke

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  2. Was für ein schöner Kranz, immer ein Lichtblick, und Hut ist gut, mit oder ohne Haare.
    LG Angelika

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  3. Liebe Viola, du sagst es. Die Zeit ist kostbar. Und wir sollten jede einzelne Minute nutzen und auch schätzen. Es ist jetzt alles nicht so einfach für euch. Ich kenne das ja aus eigener Erfahrung.
    Ich drücke Steffen die Daumen und denke auch sehr oft an euch.
    Liebe Grüße
    Renate

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  4. Liebe Viola,
    das ist doch toll das es mit dem Konzert geklappt hat, und ihr einen schönen, wenn auch stressigen, Abend hattet. Der Kranz der Nachbarin ist echt niedlich, und solche Kleinigkeiten, wie ein liebes Wort, oder eine nette Geste tun in solchen Zeiten besonders gut. Für Eure Familie weiterhin alles Gute.
    Viele Grüße
    Karin

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  5. Ein Stück Normalität (wie das Bloggen) bringt ein bisschen geschützter Raum, vor allem bei den Dingen, die man sonst immer ganz selbstverständlich macht.
    Haare sind nicht wichtig und die Aktion eines Sohnes finde ich richtig cool. Er setzt ein Zeichen für seinen Vater, aber auch für die ganze Welt. Toll.

    Nana

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